OSSAMR - Die Salvatorisritter

 

Legende versus Forschung

Wenn man nach dem Ursprung unserer Gemeinschaft fragt stößt man immer wieder auf eine Begebenheit, welche von dem Benediktiner Juan Briz Martinez, Abt von San Juna de La Pena, um 1620 niedergeschrieben wurde.

So sollen um das Jahr 724, an die 300 „Ritter“ vor den Höhlen der Einsiedelei von San Juan de La Pena erschienen sein um sich dort für eine Schlacht gegen die Mauren geistigen Beistand zu erbitten. Während dieser Zeremonie wurde der Anführer, ein Mann gotischer Abstammung mit Namen Gracia Jimenez, zu deren „Heerführer“ ausgerufen. Am Morgen darauf kam es dann bei der Stadt Ainsa zur Schlacht mit den dortigen Mauren. Diese schien sich zu Ungunsten der christlichen Streiter zu entwickeln. Als alles Verloren schien wendete sich Gracia Jimenez im Gebet an Gott den Herrn, worauf am Himmel ein rotes Ankerkreuz, von Engeln getragen erschien und sich über einer Steineiche absenkte. Dieser Anblick ließ das christliche Heer derart erstarken das es die Mauren letztendlich besiegte. Nach der Schlacht krönten die christlichen Streiter ihren Anführer zum König von Sobrarbe. Die tapfersten und edelsten Ritter des Heeres aber rief der König zu sich und gründete mit diesen zusammen den ritterlichen Orden „de la Enzina“. Diese Bruderschaft soll als Wappen das rote Ankerkreuz über einer Eiche geführt haben. Einige Jahre später soll sie dann in eine „Milicia Christi“ umgewandelt und dann durch Alphonso I. von Aragon um das Jahr 1128 zum „Ordo Sancti Salvatoris“ erhoben worden sein.

Soweit, so gut? Leider nicht, denn diese Darstellung enthält einige historische Ungereimtheiten.

Seriösen Quellen und Historikern folgend hat es nie ein Königreich Sobrarbe gegeben. Gracia Jimenez ist für den oben angeführten Zeitraum in keinen glaubwürdigen Quellen nachzuweisen. Der von Juan Briz Martinez in seiner Niederschrift aufgeführter Sohn und Nachfolger auf dem Thron des Gracia Jimenez, nämlich Gracia Jimenez II., wird erst ab 884 urkundlich bezeugt. Und zu Guter letzt setzt die Gründung eines Ritterordens natürlich auch das Vorhandensein von Rittern voraus.

Der ursprüngliche Begriff „Ritter - equites“ wurde für Soldaten der Reiterei zur Zeit der  römischen Republik verwendet. Sie entstammten einer Oberschicht, den Plebejern. Diese dienten mit Pferden und Waffen, welche sie selbst finanzierten,  in eigenen Abteilungen in der Legion. Unter den Kaisern formte sich hieraus der Kern des Beamtentums. Ihre Bedeutung war fortan aber mehr politischer Natur.  Mit dem Untergang des römischen Reiches verschwand auch dieser Stand.

Erst die unter Karl Martell (*688/689; † 22. Oktober 741) neu entstandene Reitertruppe der sog. fränkischen Panzerreiter kann als die Vor- bzw. Frühform des Rittertum gelten. Doch die wesentliche Wandlung zum Ritter vollzog sich erst im militärischen und gesellschaftlichen Wandel des ausgehenden 9. Jahrhundert. Als Folge der gesellschaftlichen Trennung zwischen Bauern und Kriegern entstand der Berufstand des berittenen Kriegers (miles) welcher in die adlige Oberschicht der Vasallen (vasallus) Eingang fand. Hinzu kamen zum Anfang 12. Jahrhundert in Deutschland noch die sog. Ministerialen (ministerialis- unfreie Dienstleute aus der Grundherrschaft eines Feudalherrn;  und somit bestand die „militia“ im 12. Jahrhundert aus adlig freien und unfreien). Erst zu Beginn des 13. Jhdt. findet  der Ritter Eingang in den niederen Adel.

Nach heutigen Gesichtspunkten entstand somit erst zu Beginn des 11.Jhdt. und dem damit verbundenen Wandel von militärischen, gesellschaftlichen und religiösen Komponenten  „der Ritter“.

Was bezweckt also dann diese Legende?

Sinn und Zweck sollte es sicherlich sein der Vita der Ordensgemeinschaft einen Nobleren Anstrich dadurch zu geben, indem man ihr Gründungsdatum einige Zeit vorverlegte, um sie vergleichbaren Institutionen gegenüber hervor zu heben. Dieses war, wie wir wissen, z.B. im Späten Mittelalter allem Anschein nach „üblich“.

 

Ordo Sancti Salvatoris in Aragonia dictus Montis Regalis - OSSAMR - Orden des Heiligen Erlösers in Aragon genannt von Monreal